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Our Childhood - Unsere Kindheit
Dieses Forum wurde nach der Idee von Allice Miller's Ourchildhood Foren gegründet. Hier geht es um die Aufdeckung emotionaler Blindheit, die während der frühen Kindheit durch Misshandlung und Missbrauch entsteht und unser weiteres Leben beeinflusst
 
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Wie konfrontiert ihr eure "Täter"?

 
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kirsche
Gast







BeitragVerfasst am: 06.04.2010, 11:15    Titel: Wie konfrontiert ihr eure "Täter"? Antworten mit Zitat

Hallo!
Wie konfrontiert ihr die Menschen mit den Dingen, die sie euch angetan haben?
Ich bin am überlegen, ob ich
1-dem Stiefvater meiner damaligen Freundin, der mir im Kino mit 14 Jahren unters T-Shirt ging, anschreibe und eine Entschuldigung verlange
2-ich meiner Mutter bzw. meinem Halbbruder einen Brief schreibe, indem ich -vor allem für meinen Bruder- schildere, was damals so gelaufen ist bez. meines Stiefvaters.

Zumindest im 2. Fall muss ich darauf gefasst sein, dass ich dann endgültig das Schwarze Schaf der Familie bin bzw. man mich der Lügen wahlweise Durchgeknalltheit bezichtigt. Das mit dem Schwarzen Schaf würde mich eher nicht stören, der Rest schon sehr.

Wie geht ihr damit um?

Zusätzlich unter der Berücksichtigung, dass ihr (kleine) KInder habt...

Viele Grüße
Kirsche
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Radix




Alter: 51
Anmeldedatum: 23.03.2009
Beiträge: 33

BeitragVerfasst am: 06.04.2010, 12:43    Titel: Konfrontation Antworten mit Zitat

Liebe Kirsche,

ich habe meine Eltern vor ca. 17 Jahren angeschrieben und konfrontiert, nachdem ich den Kontakt abgebrochen hatte. Mir hat das ungeheuer gut getan. Es kam ca. 1/2 Jahr keine Antwort, dann eine Diddl-Karte meiner Mutter, die so tat, als wäre nichts vorgefallen. Daraufhin habe ich den Brief nochmals geschickt.

Ich würde jedem zur Konfrontation zuraten, vorausgesetzt, die Ewartungen auf eine adäquate Reaktion gehen gegen Null. Bei Leuten, die kleine Kinder missbraucht haben, ist in der Regel keine Reue oder Änderung zu erwarten.

Mir haben die Reaktionen meiner Eltern aber bestätigt, wie krank und verdreht sie sind. Das hat mir als Realitätscheck sehr viel gebracht. Ich weiß jetzt, wo ich stehe. Und endlich mal die Wahrheit gesagt zu haben, denen, die ich immer als eine Art Götter gesehen habe, war eine unwahrscheinliche Genugtuung für mich.
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Gast








BeitragVerfasst am: 06.04.2010, 12:57    Titel: Nachtrag Antworten mit Zitat

Liebe Kirsche,

ich habe noch etwas vergessen. Wenn Du kleine Kinder hast, finde ich es ungeheuer wichtig, sie niemals alleine mit den damaligen Tätern zu lassen. Ich persönlich würde es überhaupt nicht erlauben. Solche Typen ändern sich nie!!!!
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Silversurfer
Gast







BeitragVerfasst am: 06.04.2010, 13:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kirsche,

wenn Du Dir eine Konfrontation zurtraust und die Folgen tragen kannst, dann mach es! Nichts gibt einem mehr Klarheit, Freiheit und letztendliche Gewißheit, wie wenn man konfrontiert.

Ich selbst habe meinen Vater in jahrelangen Streitgesprächen konfrontiert. Irgendwann habe ich ihn so deutlich erkannt, dass ich gegangen bin und niemals mehr wieder etwas mit ihm zu tun haben will. Vorher habe ich ihn noch angezeigt. Die Einzelheiten der Konfrontationen habe ich in älteren Beiträgen unter "Der Exterminator" und "Michael" geschrieben.

Mit Deiner Einschätzung, dass Du als Schwarzes Schaf und durchgenknallt da stehst, liegst Du goldrichtig. Es würde mich wundern, wenn Du nur den Hauch von Verständnis bekommst. Da ist mit Reue, Versöhnung oder Entschuldigung nicht zu rechnen. Eher das Gegenteil wird eintreten, dass Du als gefährliche Irre abgestempelt wirst, die sich alles zurecht spinnt. Deshalb kann ich da Radix nur beipflichten. Das sind auch meine Erfahrungen.

Kinder habe ich selbst keine. Aber wenn Du das durchziehst und Klarheit gewinnst, hat das bestimmt auch eine positive Auswirkung auf Deine Kinder, könnte ich mir jedenfalls sehr gut vorstellen.

Freunde macht man sich in der Regel durch solche Konfrontationen keine, zumindest nicht bei dem näheren Umfeld. Und selbst hier im Forum wäre ich vorsichtig. Man wird nicht selten noch blöd angemacht für Täterkonfrontationen bzw. wenn man davon berichtet. Das kann ich Dir aus eigener Erfahrung sagen. Aber darum geht es ja auch nicht, sondern darum, dass Du für Dich eine Klarheit über die betreffenden Personen bekommst und eine gewisse Befreiung. Wenn Dein Gefühl Dir sagt, dass Du es machen solltest, dann lass Dich von niemandem abhalten.

Tu`s!

Michael
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kirsche
Gast







BeitragVerfasst am: 06.04.2010, 13:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!
Ja, ich denke, dass ich in der nächsten Zeit einen längeren Brief verfassen werde. Zumindest werde ich ihn schreiben. Ich bin mir auch sehr sicher, dass ich ausschließlich abwehrende Reaktionen erhalten werde/würde.

Ganz große Angst habe ich jedoch davor, dass ich es meinen Kindern nicht vermitteln könnte, dass sie Oma und Opa NIE WIEDER sehen. Dem müsste ja auch nicht so sein: Aber in welcher (kalten) Atmosphäre würden dann die nächsten Treffen stattfinden-ohne mich, aber immer in Anwesenheit meines Mannes. Und: Unsere Kinder lassen sich auch sehr, sehr gerne besuchen. Das würde wahrscheinlich ersatzlos wegfallen (war bislang ca. 1x im Jahr)-wobei ich auch hier während dieser Zeit ausser Haus gehen würde. Das alles belastet mich sehr!

Ich kann mich bezügl. des Anfangs der "Anmachen" seitens meines Stiefvaters erst ab der Pubertät erinnern, beginnend mit blöden Sprüchen wie: "Na, hast du denn schon Tittchen?", gefolgt von "Na, hast du denn schon einen Freund?". Unsere Töchter sind momentan zwischen 1 u. 5 Jahren alt. Vielleicht habe ich es deswegen auch so erfolgreich verdrängen können, weil aufgrund des Alters meiner Kinder meine Alarmglocken noch nicht am Schrillen waren. Als ich die ganze Sache allerdings vor ein paar Tagen zum ersten Mal meinem Mann erzählte -der entsetzt war!!!- sagte dieser, dass mein Stiefvater zumindest den Spruch mit dem Freund beim vorletzten Besuch meiner Tochter gegenüber gebracht hat!! Das ist mir wirklich beinahe schlecht geworden.

Insgesamt ist mein Problem und mein Kummer, dass es mir gerade WIRKLICH schlecht geht! In der Zeit des Verdrängens hingegen ging es mir fast immer gut u. ich würde sagen, dass ich jemand bin, der immer mit den Füßen auf dem Boden landet. Ich habe auch immer sehr großes Glück mit meinen Männern gehabt u. fühle mich auch da keineswegs irgendwie von den Ereignissen tangiert und beeinflusst, sondern habe zum Glück ein ziemlich erfülltes Liebesleben. Das alles fängt leider erst jetzt an mich zu belasten!!! Ich kann da meine Gedanken überhaupt nicht mehr abschalten und bin immer kurz davor in Tränen auszubrechen.

Ich weiß auch nicht, wie ich dieses -jetzt- dauerhafte Gefühl der Scham abschütteln soll.Wahrscheinlich wird das beinahe nur hier in diesem Forum verstanden... Ich fühle mich so richtig beschmutzt im Nachhinein!! Und überhaupt nicht mehr so heile, wie eigentlich bislang in meinem Leben bevor das alles wieder hochgekommen ist. Gleichzeitig habe ich Angst als Opfer gesehen zu werden, denn dies möchte ich auf gar keinen Fall sein-ich glaube, dies würde für mich diese damalige Hilflosigkeit nochmal wiederholen. Mitleid mit mir zu haben wäre jetzt ungefähr die schlechteste Reaktion für mich.

Ich bin fast am Überlegen, ob ich nicht versuchen sollte weiterhin so erfolgreich den Kopf in den Sand zu stecken... Aber schon allein wegen der Kinder kann ich dies eben nicht! Es ist wirklich zum Heulen!! (Und einen Kotz-Smily hätte ich jetzt auch gerne...).

Aber kann das funktionieren: Das man diese Zeit einfach ganz simpel als beschissene 9 Jahre abhandelt, die jetzt vorbei sind? Ich weiß es nicht...

Viele Grüße
Kirsche
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Radix




Alter: 51
Anmeldedatum: 23.03.2009
Beiträge: 33

BeitragVerfasst am: 06.04.2010, 18:46    Titel: Kopf aus dem Sand !!!!!! Antworten mit Zitat

Liebe Kirsche,

Deine Beiträge haben mir keine Ruhe gelassen. Es geht um die Sicherheit Deiner Kinder. Wenn Du jetzt den Kopf in den Sand steckst, schweben sie in echter Gefahr, angesehen von dem, was schon passiert ist.

Wie Du es Deinen Kindern begreiflich machen sollst, dass sie die Großeltern nicht mehr sehen dürfen? Würdest Du zulassen, das sie Scheiße fressen?? Eben. Vielleicht lässt es sich so einrichten, dass sie nur in Eurer Gegenwart bei diesem Pädokriminellen sein dürfen. Ich würde persönlich wahrscheinlich schon nach 5 Minuten das Kotzen kriegen.

Der Missbrauch muss aufhören, auch wenn es jetzt erst Mal unbequem für Dich wird. Hättest Du Dir nicht auch gewünscht, dass Deine Mutter zu Dir hält?

Ich wünsche Dir ganz viel Rückgrat und Kraft. Du bist nicht alleine, denn dein Mann hält zu Dir. Das ist schon mal ganz viel.

LG


Raddix
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kirsche
Gast







BeitragVerfasst am: 06.04.2010, 20:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo nochmal Raddix!
Nein, alleine zu ihnen lassen würde ich sie nicht mehr!!! Meine Mutter hat unseren Sohn bei seinem Aufenthalt bei ihnen in den Osterferien emotional wie eine Sau durchs Dorf getrieben (O-Ton meines Mannes)! Das, was da gelaufen ist, ist für mich alleine schon fast seelische Mißhandlung!
Nachdem ich ihr -sehr sachlich- erklärt habe, dass wir da zwar noch nie drüber geredet hätten, aber dass wir unsere Kinder nicht schlagen würden (nachdem Sohn mir erzählt hatte, dass der Opa immer "strenger" werden würde u. bei mir die Alarmglocken läuteten!), da ich bei ihnen ja andere Erfahrungen gemacht habe, ist sie ja total ausgeflippt und sagte, dass sie das jetzt aber in den falschen Hals gekriegt hätte! ???? Und wenn das so wäre, dann sollten wir Sohn jetzt sofort abholen! (Was gar nicht so einfach ist bei sehr spät am Abend, Osterstauverkehr und 250 km dazwischen). Und Sohn wollte gar nicht weg!!!! Er hat geweint wie ein Schlosshund, weil er das alles mitanhören musste. Am nächsten Tag hat mein Mann nochmal mit ihm telefoniert und er wollte unbedingt noch dableiben (wobei ich ihn da schon sehr, sehr gerne hätte wiederhaben wollen). Mein Mann sprach dann mit meiner Mutter darüber, die aber dabei blieb "Das Kind muss weg!". Sie (meine Mutter + Schwägerin in Spe) brachten ihn zum Bahnhof, wo schon mein Mann wartete und zum Abschied ließ meine Mutter Sohn gar nicht gehen und sagte immer wieder: "Ach, wie schade, dass du schon weggehen musst! Bleib doch noch bei uns!" Daraufhin stellte Sohn ganz nüchtern fest: Aber ihr wolltet doch, dass ich gehe! Dazu meine Mutter: "Nein, deine Eltern wollen doch, dass du gehst. Ich will aber, dass du bleibst!" Mein Mann hat sich dann mit Sohn die Zugfahrt über darüber unterhalten u. Sohn hat das für sich ganz gut als "Oma ist etwas komisch" und "Hat nichts mit mir zu tun!" verbucht. Zum Glück ist er da wohl sehr stabil! Er hat uns dann aber noch erzählt: Als er aber noch heulend dort war hatte sie ihm auch noch gesagt, er dürfe jetzt den Opa NIE mehr besuchen und ihm helfen (beim Hausumbau...was Sohn sehr gerne gemacht hat wohl), weil seine Eltern finden, dass seine Oma eine schlechte Oma sei! Das muss man sich mal vorstellen!!!!!!!!

Wenn wir mit ihm telefoniert haben hat sie übrigens immer mitgehört-man kann das hören- und einmal auch das Gespräch einfach beendet. Es war definitiv nicht unser Sohn!

Au weia, ich muss mir nur weiter diese Shortstories ins Gedächtnis rufen und habe dann doch keine Skrupel mehr (wie unangemessen auch in der Situation eigentlich!) sie mit ihren Taten zu konfrontieren. Am besten gleich einen Rundbrief für die ganze Verwandtschaft zum Zeitpunkt der Hochzeit meines Halbbruders! Dazu könnten wir dann ja noch gleich den "schönen" Film "Das Fest" von Dogma (glaube ich) mitschicken, um das Familien-Paket abzurunden!

Warum sollte man eigentlich den Täter nicht konfrontieren mit seiner Tat? Mein gefühl sagt mir, dass das eigentlich schon das Mindeste ist.Das scheint ein wenig Thema zu sein hier... Und da muss ich mich outen, dass ich Alice Miller nur kenne mit "Drama des begabten Kindes" u. das ist schon sehr, sehr lange her...

Viele Grüße
Kirsche
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kirsche
Gast







BeitragVerfasst am: 06.04.2010, 20:10    Titel: Antworten mit Zitat

Nochmal Raddix!
Ich hoffe, es entsteht kein falscher Eindruck: Nach diesem Gespräch mit meiner Mutter und dem weinenden Kind im Hintergrund hätten wir unseren Sohn auf jeden Fall abgeholt! Bei der allerersten Gelegenheit, denn ich hätte auch kein gutes Gefühl gehabt beide im sehr, sehr spätabendlichen Osterverkehr auf der Piste zu wissen (eine persönliche Macke von mir sind leider potentielle Autounfälle). Aber dennoch mussten wir uns auch mit seinem Wunsch auseinandersetzen, DASS er eigentlich bleiben wollte. Ich war in der Konsequenz dann natürlich schon SEHR froh, dass es dann kein Einlenken seitens meiner Mutter gegeben hat für meinen Sohn und er abgeholt werden MUSSTE. Aber die Art und Weise wie das vonstatten gegangen ist lässt sich einfach in Beschissenheit (Sorry!) nicht mehr toppen. Sie haben ihn da einfach zu ihrem emotionalen Punchingball gemacht, Zuckerbrot und Peitsche, obwohl er damit rein gar nichts zu tun hatte. Es war eine Strafaktion für die Eltern!
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